Die Spur
Das Theater „Die Spur” wurde im November 1961 von Peter M. Wolko als freie Gruppe gegründet und ist das älteste, noch bestehende Amateur-Theater in der Stadt Karlsruhe und ein anerkannter Bestandteil der Kulturszene dieser Stadt bzw. der von Baden-Württemberg. Es zählt zu den semiprofessionellen Theatern dieses Bundeslandes. „Die Spur” ist die Bühne des Stadtjugendausschusses e.V. Karlsruhe und seit April 1982 im Jubez am Kronenplatz beheimatet. Sie bringt pro Spielzeit zwei Inszenierungen und eine Wiederaufnahme heraus und zeigt etwa 20 Aufführungen. Der Bühne gehören derzeit 12 Theaterleute an, die ihre kulturelle Arbeit neben der beruflichen Tätigkeit oder der Schule ausüben. Sie verstehen ihr künstlerisches Schaffen als Gegengewicht zum Alltag und leisten damit einen besonderen Beitrag zur Erreichung der Schlüsselkompetenz Kultur bzw. pro Spielzeit über 13 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit.
„Die Spur” ist eine innovative Kleinbühne unter professioneller Leitung mit hohem künstlerischen Anspruch und Theater-Kompetenz, die sich nicht nur im Niveau des Spielplans, sondern auch in dessen breiter Palette manifestieren. Sie arbeitet bei der Ausbildung und ihren Inszenierungen mit professionellen Theaterleuten zusammen. Innerhalb eines Aus- und Fortbildungsprogramms wird das Ensemble mehrmals pro Spielzeit bei Theaterseminaren künstlerisch geschult. Bisher fanden 90 Theaterworkshops bei der Bühne statt.
Der Spielplan der „Spur” spannte sich in den vergangenen 47 Jahren von Hans Sachs bis Heinrich Böll und enthält Stücke von Fernando Arrabal bis Thornton Wilder. Ein besonderes Augenmerk galt früher der Pflege des dramatischen Schaffens von Anton Tschechow und Jean Tardieu bzw. gilt seit zwei Jahrzehnten Günther Weisenborn. Wichtige Autoren waren: Carlo Goldoni, Georges Feydeau, James Saunders, Eugène Ionesco, Sophokles und Dario Fo, Bertolt Brecht, Tankred Dorst, Christine Brückner, Michael Ende, Jean Genet, Botho Strauß, William Shakespeare, J. W. von Goethe und Edward Albee sowie Kurt Tucholsky und Erich Kästner im Kabarett bzw. im Kinder-und Jugendtheater insbesondere Otfried Preußler, Friedrich Karl Waechter, Pauline Mol, Wilfrid Grote, Paula B. Mader, Ken Campbell, Gotthard Kuppel und zuletzt Antoine de Saint-Exupéry.
Als Grundtendenz des Spielplans der letzten Jahre hat sich eine Mischung aus absurden und zeitkritischen Stücken sowie anspruchsvoller Unterhaltung herauskristallisiert. Daneben sind (seit 1966) die Pflege des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters sowie (seit 1991) des literarischen Kabaretts Spielplan-Schwerpunkte.
Neben engen Kontakten zu Theatern in Deutschland, Belgien, Frankreich und Japan kooperiert(e) „Die Spur” mit ausländischen Bühnen, und zwar in Straßburg/Frankreich, Forli/Italien, Kaposvar/Ungarn, Krasnodar und Sotschi, beide Russland. Seit 1983 fanden in diesem Rahmen 27 Auslandsgastspiele und 29 Theaterbegegnungen im In- und Ausland statt. Bei nationalen und internationalen Festivals vertrat „Die Spur” 56 mal die Kulturszene der Stadt Karlsruhe, des Landes Baden-Württemberg bzw. Deutschlands und wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 1989 gehörte das Theater beim Wettbewerb kommunaler Bürgeraktionen in Baden-Württemberg zu den Preisträgern und erhielt zudem einen Sonderpreis. Im Dezember 1995 zählte das Theater „Die Spur” zu den sieben freien Theatern in Baden-Württemberg, die sich von nahezu 40 Gruppen als Teilnehmer am Theaterpreis der „Stuttgarter Zeitung” qualifiziert hatte und im Jahre 1996 erhielt die Bühne in Anerkennung der Pflege ihrer ausländischen Partnerschaften und der Ausbildung des Ensembles einen Förderpreis des ehemaligen Süddeutschen Rundfunks. Zum 40. Theater-Geburtstag im Jahre 2001 wurde „Die Spur” für ihre Verdienste um das Amateurtheater vom Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg mit der Ehrenmaske ausgezeichnet.
Das Theater „Die Spur” hat in seinen bisher 49 Spielzeiten insgesamt 172 Inszenierungen/Neuinszenierungen von 140 Stücken/Collagen und 24 Kabarett (13)-, Musiktheater (6)- und Pantomime (4)-Programmen herausgebracht, und zwar davon 29 als Uraufführungen, 51 als Karlsruher Erstaufführungen sowie 47 im Kinder- und Jugendtheater und 60 in der „Studio-Reihe”. Die bisher 2 215 Aufführungen sahen über 157 000 Zuschauer in sieben Staaten, davon 40 000 die 496 Vorstellungen im Kinder- und Jugendtheater. 402 Gastspiele führte „Die Spur” an 80 Orten in Deutschland, Frankreich, Italien, Ungarn, Belgien, Russland (früheren Sowjetunion) sowie der ehemaligen DDR durch, 166 davon im ländlichen Raum bzw. in Heilbädern von Baden-Württemberg.
„Die Spur” war 1972 Gründungs- bzw. ist seitdem Mitglied des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg e.V. bzw. über diesen im Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) und gehörte 1994 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Kinder- und Jugendtheater Karlsruhe e.V. Bluemix, wo sie bis zu dessen Schließung (2004) elf Inszenierungen herausbrachte.
„In … Karlsruhe gibt es seit nunmehr 45 Jahren das Theater „Die Spur”, das sich in der regionalen Kulturlandschaft einen festen und unverzichtbaren Platz erobert hat. … Mit Ideen und Engagement … hat (es) sich zu einer Kleinbühne entwickelt, die durch die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten, regelmäßige Fortbildungen für das Ensemble und ein anspruchsvolles Programm eine Sonderstellung zwischen dem Amateurtheater und dem professionellen Theaterbereich einnimmt.”
Helmut Rau MdL, Minister für Kultus, Jugend und Sport, Baden-Württemberg (2006)